Hallo allerseits,
ich habe die beiden Diskussionsfäden zu "Gangster" mal zusammengeführt, damit man sich nicht wie unser indianischer Besucher Rufus entscheiden muß.
Von mir bekommt der Film eine glatte Drei - für einen Film mit Denzel Washington in der zentralen Rolle ist das schon ziemlich viel, denn ich persönlich halte ihn für ziemlich überbewertet (und seinen Oscar ausgerechnet für "Training Day" für eine der absurdesten Entscheidungen der Academy in den letzten 20 Jahren). Washington funktioniert recht gut als Supporting Player wie zuletzt z.B. in "Inside Man", wo er einen Film nicht tragen muß und keine allzu fordernde Rolle spielen muß. Bei seinen Hauptrollen kommt leider viel zu oft (so z.B. in "Training Day", aber auch in "Out of Time") sein Hang zu aufgesetztem, prahlerisch-pathetischem Spiel durch.
Dies kann man ihm in "American Gangster" nicht vorwerfen, im Gegenteil spielt er Frank Lucas so zurückgenommen und ausdrucksarm, daß er selbst bei seinen Gewaltausbrüchen verschlossen und unbeteiligt wirkt. Damit verfällt er leider ins andere Extrem und erschwert es dem Zuschauer, Franks Motivationen zu verstehen. Im Unterschied dazu geht Russell Crowe wie schon bei "The Insider" oder "A Beautiful Mind" wieder völlig in seiner Rolle auf und stellt den "Unbestechlichen" Richie Roberts sehr plastisch und glaubwürdig dar, was umso beachtlicher ist, da das Skript Crowe eigentlich gar nicht so viel Material zubilligt.
Und sind wir schon bei dem eigentlichen Grund, warum ich "American Gangster" nur ein "befriedigend" verpasse - dem Drehbuch nämlich, daß aus der Geschichte des ersten afroamerikanischen Drogenbarons wenig mehr macht als eine mit Klischees gespickte, leicht unterkühlte Version der ewig gleichen Ballade vom Aufstieg und Fall einer Gangster-Größe. Sehr gemächlich, aber dennoch wie am Fließband werden die üblichen Stationen - in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, Quereinstieg in die organisiserte Kriminalität, Aufstieg in vermeintlich unbedeutende Vertrauensposition, dann selbständig machen mit einer einfachen Idee, immer größer werdende Erfolg, schöne Frau, mit dem Erfolg kommen die Probleme, nicht wissen, wann man aufhören soll usw. usf. - abgehandelt, wobei der Film fast eine Dreiviertelstunde braucht, um richtig in Gang zu kommen. Zudem wirken viele Nebenfiguren (mögen sie auch auf tatsächlichen Personen basieren) doch sehr stereotyp, sei es Josh Brolins "ich kann mir alles erlauben" Detective Trupo, die größtenteils dämlich-gierigen Brüder von Frank Lucas, Cuba Gooding jr. als flamboyanter Geschäftspartner (der aus der Story ohne Probleme komplett hätte entfernt werden können) oder auch Lymari Nadal als Lucas' Ehefrau Eva.
Insgesamt hätte man den Film ohne Probleme um 30-40 Minuten kürzen können, ohne der Charakterentwicklung (soweit vorhanden) wesentlich zu schaden; er war allerdings nicht über weitere Strecken langweilig, so daß der Vergleich zu den anderen Sneak-Filmepen des Jahres, "Zodiac" und "The Good Shepherd", zu "Gangsters" Gunsten ausfällt. Daher geht die Drei schon in Ordnung, für mehr hätten Regisseur Ridley Scott und Autor Steven Zaillian IMHO auch etwas mehr als "Business as usual" aus dieser Story machen müssen.
Gruß
Kasi Mir