Hallo allerseits,
na, dann werde ich doch mal die Gegenrede halten - ich gebe "The Singing Detective" nämlich eine 2-, weil ich ihn auf bizarre Weise unterhaltsam und kreativ, wenn auch oft sehr verstörend fand - man kann ihm jedenfalls sicherlich nicht vorwerfen, potentielle Zuschauer mit seichten, offensichtlichen Plots zu ködern.
Für diejenigen, die nicht da waren: "The Singing Detective" ist die Geschichte eines Buchautoren (Robert Downey jr.), der an einer schweren Hautkrankheit leidet, die ihn ans Bett fesselt; zu den physischen Problemen kommen noch psychische, die ihn halluzinieren lassen. Regelmäßig vermischt sich Reales mit Erinnerungen aus seiner Kindheit - und mit Elementen aus seinem Schundroman "The Singing Detective".
Und genau sieht der Film auch aus: während die Ärtze ihn untersuchen, verwandelt sich das Krankenzimmer in eine Bar aus den 1950ern, wo der Singing Detective (auch Downey) eine seiner Musiknummern zum besten gibt; während er mit einem Psychotherapeuten (Mel Gibson, mit feschem Haarkranz

) widerwillig seine Probleme bespricht, landet er immer wieder in Szenen seiner Detektivstory, in der der Detective einen Mordfall an einer Prostituierten aufklären und gleichzeitig den Schergen seines eigenen Auftraggebers entkommen muß. Und immer wieder wird die Handlung durch Musik unterbrochen, in die nur zu oft auch das behandelnde Personal mit einzustimmen scheint.
Ich muß zugeben: als ich emmas Trailershow entschlüsselt hatte, wußte ich damit so in etwa, was da auf mich zukommen würde - denn ich konnte mich noch dunkel an die britische Miniserie von 1986 erinnern, von der ich Ende der 80er Jahre Teile im TV gesehen hatte (damals mit Michael Gambon in der Hauptrolle). Wie der Film auf "Unvorbereitete" wirkt, kann ich nur erahnen. In der ersten Dreiviertelstunde wirken die Szenen oft wahllos aneinandergefügt, man wird oft vor den Kopf gestoßen, weil erst nach und nach klar wird, worum es in den Film eigentlich geht. Außerdem ist wegen der - im Vergleich zur TV-Serie - kurzen Laufzeit praktisch der gesamte Detektiv-Plot abhanden gekommen, eine fortlaufende Handlung will sich dort nicht einfinden.
Damit macht es "The Singing Detective" es Zuschauern ähnlich schwer wie "Eternal Sunshine", "21 Grams" oder eher noch "Punch-Drunk Love", einen Zugang zu der Story zu finden. Klappt das jedoch, und läßt man sich von der ganzen 50er-Jahre-Musik nicht nerven, so sieht man ein bizarres, nicht immer logisches, aber dennoch sehr unterhaltsamen Erlebnisbericht eines Patienten und seines (psychischen wie physischen) Heilungsprozesses, und Robert Downey jr. in einer Paraderolle, in der er sein schauspielerisches Talent mal richtig unter Beweis stellen kann.
Gruß
kasi Mir