Hallo zusammen,
mein Eindruck von „Love Lies Bleeding“ war – auch nach dem zweiten Anschauen, denn ich hatte den Film ja bereits auf den FFF gesehen – ein völlig anderer, als Roughale ihn hier wiedergibt. Ich fand den Film zwar langsam in der Erzählweise, aber nie uninteressant, traf die 1980er (der Film spielte offensichtlich im Herbst 1989) auf den Punkt, ohne einfach nur im Soundtrack die Hits der 1980er zu deponieren. Der eigentliche Soundtrack von Clint Mansell („Moon“, „Black Swan“) paßte auch gut zur Handlung und sorgte durch ungewöhnliche Klangsequenzen für unterschwellige Spannung und verstärkte so das Gefühl, daß der Film auf Messers Schneide balancierte und jederzeit in eine Richtung kippen könnte.
Kristen Stewart zeigte einmal mehr, wie verschenkt ihr Potential in Hits wie „Twilight“ oder „Snow White and the Huntsman war“; ihr fiel die Rolle der Lou zu, die vordergründig ihren trostlosen Alltag stoisch bewältigte. Unter der Oberfläche aber brodelte es in ihr, sei es wegen ihrer Vergangenheit als Handlangerin ihrer Vaters Lou sr. (Ed Harris), wegen ihrer Mutter, die spurlos verschwunden war, wegen ihrer Schwester, die nicht von einem gewalttätigen Ehemann (Dave Franco) loskam, oder wegen der ständigen Nachfragen des FBI, die Lou sr. im Visier hatten. Die Bodybuilderin Jackie (Katy O’Brian) ist da zunächst einmal nur eine Frau, die sie attraktiv findet; aus der Bekanntschaft wird schnell mehr – wobei der Film clever lange Zeit offen läßt, ob Lou für Jackie mehr Unterschlupf als Liebschaft ist. Jackie hat ebenfalls eine kurze Zündschnur, wie man schnell auf dem Parkplatz vor dem Fitnessstudio sehen konnte. Als sie beginnt, dann Steroide („aus Deutschland oder so“
) zu nehmen, folgen Gewaltausbrüche, die die Beziehung der beiden Frauen vor große – und schwarzhumorige – Probleme stellt.
Ich finde auch den Schluß in Ordnung; man könnte zwar behaupten, daß dieser die gleichen „moralischen Mängel“ aufweist wie „Hit Man“ letzte Woche – aber hier sind die Figuren von Anfang im ethischen Graubereich unterwegs, und der Film hört an einer Stelle auf, an der der weitere Werdegang noch hinreichend offen ist. Die „Schlußpointe“ aus dem Fantasy-Bereich (wer den Film gesehen hat, weiß was ich meine) hat mich nicht gestört, kam aber definitiv unerwartet.
Im Endeffekt hat „Hit Man“ vor dem Showdown die etwas flottere, witzigere Erzählung gehabt; im Showdown liegt aber „Love Lies Bleeding“ klar vorn. Daher kriegen beide Filme von mir dieselbe Note – eine „2 minus“.
Gruß
Kasi Mir