Hallo allerseits,
ich gebe "Hitchcock" eine Zwei - durchweg starke Schauspielerdarbietungen, nette Einblicke in das Hollywood der 1950er und pointierte, immer wieder hintergründig humorvolle Dialoge werten die von der Handlung gar nicht so herausragende Geschichte der Entstehung von "Psycho" deutlich auf und holen vermutlich das Maximum aus dem Biopic-Fragment heraus.
Der Film konzentriert sich auf ein Jahr im Schaffen und Leben von Alfred Hitchcock, von der Veröffentlichung von "North by Northwest" im Sommer 1959 bis zum schlußendlichen Release von "Psycho" im Sommer 1960; Hitchcock (Anthony Hopkins) entdeckt, auf der Suche nach neuer Inspiration, das Buch "Psycho" von Robert Bloch, das von dem realen Fall des Mörders Ed Gein (Michael Wincott) inspiriert wurde. Hitchcock ist sofort fasziniert von den Abgründen der Erzählung und ist wild entschlossen, "Psycho" zu seinem nächsten Film zu machen. Paramount hingegen ist weniger begeistert, sie haben große Zweifel, daß sich irgendjemand die Geschichte eines irren Mörders in Frauenkleidern ansehen möchte. Auch Hitchcocks Frau Alma (Helen Mirren) ist nicht überzeugt von der Horror-Geschichte, unterstützt ihren Mann jedoch selbst dann, als er beschließt, den Film selbst zu finanzieren und das gemeinsame Haus als Sicherheit einzusetzen.
Auch die eigentliche Produktion des Films ist alles andere als ein Zuckerschlecken; Paramount fordert Zwischenergebnisse, die Hüter des Production Codes verlangen Änderungen am Film, und auch zwischen Hitch und Alma kriselt es. Sie arbeitet neben "Psycho" noch an dem Drehbuch eines - nicht unattraktiven - Freundes, er trinkt und ißt zuviel und verliert sich in Tag- und Nachtträumen von Ed Gein und in Schwärmereien für seine Schauspielerinnen. Schließlich muß er seinen Exzessen Tribut zollen, als er am Set krank zusammenbricht.
Hopkins macht sich clever viele Manierismen von Hitchcock zueigen und präsentiert so ein stimmiges, mit seinen öffentlichen Auftritten zusammenpassendes Bild vom "Master of Suspense", ohne das viel Maskerade notwendig wäre. Ebenso wichtig ist Helen Mirrens Alma, die dem Ego des Regisseurs eine ebenso starke und klare Persönlichkeit entgegensetzt - wichtig für einen Film, der im Kern von dem Mit- (und manchmal Gegen-) einander des Ehepaars Hitchcock getragen wird. Und auch bei den Nebenfiguren leistet sich "Hitchcock" keine Aussetzer; alle Rollen sind so gut besetzt worden, daß zum Teil gar nicht auffällt, wie wenig die Figuren zum tatsächlichen Film beitragen (vor allem James D'Arcy als Anthony Perkins, aber auch Jessica Biel und 'Karate Kid' Ralph Macchio haben kaum relevante Szenen). Sie dienen aber der Athmosphäre des Films und helfen dabei, die späten 50er-Jahre in Hollywood glaubwürdig wiederauferstehen zu lassen). Ergänzt wird das durch viele Kleinigkeiten aus dem Produktionsprozess, die dem Zuschauer einem Making-Of ähnlich Einblicke in die Entstehung des wohl ersten 'großen' Horrorthrillers aus Tinseltown verschaffen; und der trockene, oft sarkastische Humor der Hitchcocks trägt zur guten Unterhaltung über 90 Minuten bei.
So wird "Hitchcock" sicherlich nicht als originellste oder tiefgründigste Hintergrunderzählung zu Alfred Hitchcock und seinem Werk in die Geschichte eingehen, es ist aber trotzdem ein hochinteressantes und sehr unterhaltsam erzähltes Stück Filmgeschichte, das dem relativen Regieneuling Sacha Gervasi da gelungen ist. Dafür vergebe ich gerne eine Zwei.
Gruß
Kasi Mir